Wer sind Sie, Herr František Ignác Tuma?

Ein zu Unrecht vergessener Komponist zu Zeiten Maria Theresias

Der böhmische Komponist wurde 1704 als Sohn eines Organisten geboren, besuchte das Jesuitenkolleg in Prag und ging dann zum Studium nach Wien. Tuma war auch ein sehr guter Sänger, spielte Viola da Gamba, Theorbe und Orgel. In Wien fand er in Franz Ferdinand Graf Kinsky, dem Hochkanzler von Böhmen, einen Gönner. Er wurde Komponist und Kapellmeister in dessen Hofkapelle. Somit waren ihm auch die Tore zum kaiserlichen Hof geöffnet. Graf Kinsky sorgte dafür, dass er Italienisch und Französisch lernte und ermöglichte ihm das Studium bei Johann Joseph Fux, dem Meister des Kontrapunktes.

Wien wurde eigentlich erst durch das Wirken von Johann Joseph Fux und František Ignác Tuma zu einer „musikalischen Barockstadt“. Zuvor war wenig Zeit für die schönen Künste; Wien litt unter der Pest, unter der Belagerung der Türken und schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen.

Kaiserin Maria Theresia schätzte Tuma sehr, bedachte ihn mit einer großzügigen Rente und einem mit Gold bestickten Beutel mit 100 Dukaten. So wurde er einer der ersten „freien Künstler“.

1768, sechs Jahre vor seinem Tod legte er ein Ordensgelübde ab und trat in das Kloster der Prämonstratenser im niederösterreichischen Geras ein.

Am Palmsonntag hören wir um 16.00 sein „Stabat Mater“ in der Basilika St. Michael. Es singt der Chor CorOsAnima, die Solisten sind Marcia Sacha (Sopran), Tamara Obermayr (Mezzosopran), Bernhard Teufl (Tenor), Christoph Schöffmann (Bariton); an der Orgel ist Gottfried Holzer-Graf; die Gesamtleitung hat Norbert Brandauer.

Auf ein Wiedersehen am Palmsonntag freut sich

Marie-Christin de Forestier