Abt Bernardus Lidl ist in die Basilika zurückgekehrt

Vor einigen Jahren habe ich meinem Mann verboten, noch weitere Bilder zu kaufen. Zuerst müssten neue und leere Wände herkommen, meinte ich damals. Im Großen und Ganzen hat er sich an diese Anweisung gehalten, dafür stöbert er mit Heißhunger in Auktionskatalogen herum. Und vor einigen Wochen, ich erinnere mich genau, es war ein Sonntag am frühen Nachmittag gellt ein Schrei durch das Haus. Um Himmels willen, denke ich mir, hat er sich geschnitten? „Giiiiicky!“ Wenn er mich beim Namen ruft, dann ist´s ernst. Und das war´s auch: Er sitzt vor einem der von mir wenig geschätzten Kataloge des Dorotheums und findet ein Bild, „das müssen wir kaufen.“ Noch dazu ein Portrait, ich kann sie schon nicht mehr sehen, sie verfolgen einen ständig mit den Augen. „Das ist der Abt Bernardus Lidl vom Kloster Mondsee.“ Ja, und wirklich, da steht „Österr. Schule um 1800, Der Benediktinerabt des ehemaligen Klosters Mondsee Bernardus Lidl (1690 – 1773, seit 1729 Abt), vermutlich Teil einer Serie von Abtportraits. – Verfasser des ‚Chronicon Lunaelacense’ und Erbauer der Doppelturmfassade der Basilika, Öl auf Leinwand, ca. 104x 81,5, Krakelee, teilvergoldeter Holzrahmen.“ Über ihn heißt es in mondsee-kultur.at : „Neben der seelsorglichen Tätigkeit der Mondseer Mönche wurden in ihrem Auftrag im Lauf des Jahrtausends des Klosterbestandes auch viele bedeutende Werke der Kunst geschaffen. Es begann schon sehr früh mit der Mondseer Schreibschule. Beim Bau und der Ausstattung der Kirchen des Klosterlandes wurden bedeutende Künstler beschäftigt wie Michael Pacher und Meinrad Guggenbichler, um nur einige zu nennen. Selbst ein Klostergymnasium bestand von 1514 bis zur Auflösung des Klosters. Eine wichtige Bildungsstätte, die bis heute für Mondsee nicht wieder geschaffen wurde.

Abt Lidl vor dem Ambo auf den Stufen zum Hochaltar

Mit der Wahl des Priors P. Bernhard Lidl im Jahr 1729 zum Abt begann die letzte Glanzzeit des Klosters am See, wenngleich in seiner Regierungszeit auch schon das Wetterleuchten einer neuen Zeit heraufzuziehen begann. Mit einer Reihe von Plänen wurde die Jahrtausendfeier des Klosters für das Jahr 1748 vorbereitet. Die Klosterkirche erhielt ihre heutige Barockfassade. Der Tiroler Bildhauer Anton Koch, der im Guggenbichlerhaus seine Werkstatt hatte, erhielt den Auftrag für vier neue Seitenaltäre. Ein Ornat, genannt Millenniumsornat, der heute noch an hohen Festtagen verwendet wird, wurde angeschafft. Das alte Kloster Mondsee hatte sich noch einmal auf ein großes Ereignis vorbereitet und barock und prunkvoll durchgeführt, ohne zu wissen, dass es der Abgesang auf seine tausendjährige Geschichte sein sollte.

Vom 28. September bis zum 6. Oktober 1748 dauerten die Feierlichkeiten an denen rund 80.000 Besucher teilgenommen haben sollen. Am ersten Tag wurde Joseph Kardinal von Lamberg, Fürstbischof von Passau, feierlich begrüßt und konnte am nächsten Tag 700 Firmlingen das Sakrament erteilen. Bis zum 8. Oktober 1748 kamen täglich Prozessionen von Gläubigen der Pfarren aus dem Attergau, vom Attersee, aus dem Fürsterzbistum Salzburg, ja sogar aus Schellenberg bei Berchtesgaden. Feierliche Gottesdienste zelebrierten die Äbte von Kremsmünster, von Schlierbach, St. Peter in Salzburg und natürlich Abt Bernhard Lidl. Beim Pontifikalamt des Abtes Bernhard am 5. Oktober 1748 legte Frater Opportunus Dunkl, der spätere letzte Abt des Klosters, seine Profess ab. Am 4. September 1773 starb Abt Bernhard Lidl, nachdem er 44 Jahre der Vorsteher des Klosters gewesen war. P. Opportunus Dunkl, der wie sein Vorgänger vorher eine Professur an der Salzburger Universität innehatte, wurde sein Nachfolger und letzter Abt von Mondsee.“

Gut, das mag er schon sein, aber wer soll das zahlen? Kürzen wir die abendelangen Diskussionen, auch mit Hochwürden, ab. Hier in der Pfarrei gibt es einige Mitglieder der Bruderschaft von Santa Maria dell´Anima zu Rom. Diese altehrwürdige Bruderschaft trägt seit über 600 Jahren Sorge für das Päpstliche Institut gleichen Namens, das in einem 1350 gegründeten Hospiz für Pilger aus dem Heiligen Römischen Reich in der Ewigen Stadt wurzelt. Seit 1406 untersteht dieses Institut direkt dem Heiligen Stuhl. Von Anfang an finden sich hochrangige Mitglieder der päpstlichen Kurie und großer Familien des Heiligen Römischen Reiches in dieser Bruderschaft. Kaiser Karl V. ist im Bruderschaftsbuch samt hochrangigem Gefolge eingetragen. Neben allen Kaisern des Heiligen Römischen Reiches, die Rom besuchten, haben sich auch eine Reihe von Päpsten im Buch der Bruderschaft eingetragen. Die Aufgabe der Anima als Hospiz, Zentrum der Pilgerseelsorge und Priesterkolleg war es von Anfang an und ist es immer noch, die Verbundenheit mit dem Heiligen Vater, dem Bischof von Rom und Nachfolger des hl. Petrus, zu fördern. Sie ist Pfarre für alle in Rom weilenden deutschsprachigen Gläubigen, Gemeinschaft von Priestern in weiterführender Ausbildung und Ort geistlicher Begleitung von Pilgern.

Und dort in Rom haben sich auch Andreas K., damals Mitglied im Gruppenvorstand einer italienischen Holding und Franz R., der für eine Tiefbohrfirma einen Tunnel unter der Engelsburg baute, getroffen. Zu diesen Freunden kamen im Laufe der Zeit Hans W., ein überaus bekannter Künstler und andere zum Teil hier und in Oberösterreich wohnende Freunde dazu, die zusammen mit unserem Pfarrer Ernst allesamt Mitglieder der Anima sind. Und dieser Freundeskreis, zu dem auch bayerische Freunde stießen, hat sich spontan bereit erklärt, den Kaufpreis zu stemmen.

Mein Mann hat am Mittwoch, dem 18.11., am Computer mitgeboten. Das Bieten begann schon einige Tage vorher, es gab einen weiteren Interessenten, der im Vorfeld versucht hat, sich das Bild zu sichern. Am Tag der Versteigerung hat knapp vor Mittag noch ein zweiter Interessent das Limit erhöht, aber vor allem ein Dritter verteuerte in den letzten Minuten das Bild für uns. Um 15.19 Uhr fiel dann der Zuschlag zu unseren Gunsten. Da die Versteigerung online stattfand, musste der arme Abt noch 14 Tage im Salzburger Dorotheum im Hinterzimmer des 1. Stocks in COVID 19 Quarantäne verharren. Dann haben wir ihn im Auto ins Pfarrhaus gebracht und am 8.12.2020 um 10 Uhr im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes in die Basilika wieder eingeführt. Und jetzt haben wir zusammen mit Fr. Dr. Swoboda als würdigen Platz die Wand links des Hochaltares gefunden und ihn in einer intimen Feier dort aufgehängt, das Portrait natürlich nur. Unser Abt verfolgt aufmerksam alles, was am Altar und in der Basilika vor sich geht. Bisher konnten wir auf dem Gesicht nur eine kritische, aber grundsätzlich positive Miene erkennen. Unser Pfarrer Ernst meint, er habe ihn hie und da hüsteln gehört (kein Wunder, es ist meist auch ungemütlich kalt in der Kirche). Und jetzt danke ich im Namen aller den Mitgliedern der Bruderschaft der Santa Maria dell´Anima Mondsee und unseren bayerischen Freunden, ihnen allen ein „Vergelt´s Gott“. Und zum Zeugnis dessen haben wir dieses Foto aufgenommen.

Marie-Christin de Forestier