Ach, wenn ich nur singen könnte!

Besuch bei der Probenarbeit der Kantorei St. Michael für das Mozart Requiem

Ja, wenn ich singen könnte, dann würde ich gerne mittun. Da hätte aber Gottfried keine Freude und so beschränke ich mich auf einen Bericht.

Gemäß der jüngsten Corona-Vorschriften konnte das Requiem am 6. November leider nicht zur Aufführung gebracht werden. Es wird auf den Palmsonntag 2021 verschoben und dann ergänzt mit dem „Stabat Mater“ von Arvo Pärt. Zur Beruhigung: Bereits gekaufte Karten behalten ihre Gültigkeit.

Die Kantorei und Gottfried Holzer-Graf werden mit Mozarts Requiem des 2019 viel zu früh verstorbenen Erbauers unserer großen Orgel in der Basilika gedenken: Daniel Kern. Die Orgelbauwerkstatt „Alfred Kern und Söhne“ wurde 1953 in Straßburg gegründet und entwickelte sich zu einem „international and global player“. Daniel Kern konstruierte berühmte Orgeln, u.a. die der Dresdner Frauenkirche. Außerhalb Europas finden wir Kern-Orgeln in den USA, in Taiwan und vor allem in Japan.

Immer wieder erfreut uns die Kantorei St. Michael mit hochwertigen Darbietungen, sei es eine Gottesdienstgestaltung, sei es ein Konzert. Dafür gelingt es Gottfried Holzer-Graf Solisten, die am Beginn ihrer Karriere stehen, zu gewinnen. Aber auch solche, die schon mitten in der beruflichen Laufbahn stehen, bleiben der Kantorei treu und treten immer wieder in Mondsee auf. Auch die Instrumentalisten, das „Consortium Lunaelacense“, glänzen auf hohem Niveau. Wir erinnern uns u.a. an „Viva Vivaldi“, das Abschlusskonzert der Reihe „OrgelPunkt“ im Juli und an das Eröffnungskonzert der BachZeit im August.

Um dieses Niveau halten zu können, ist die Kantorei auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Ihr besonderer Dank gilt der Marktgemeinde, den Landgemeinden und allen Sponsoren. Der Dank geht aber auch an unseren Pfarrer Ernst, der die Räumlichkeiten zur Verfügung stellt, und überall Entgegenkommen zeigt.

Da ich von der Probe so angetan war (https://youtu.be/MWylw0XdHsM), habe ich zwei Mitglieder gebeten, mir vom „Kantorei-Leben“ zu berichten:

„Da ich viele Jahre im Salzburger Bachchor (und davor in anderen Chören) gesungen habe, habe ich eine Vergleichsmöglichkeit (man vergleicht ja unwillkürlich), und dieser Vergleich ergibt eine sehr ähnliche Grundausrichtung.
Ich finde, mit Gottfried Holzer-Graf ist es ein sehr solides Musizieren, seine Ansprüche sind hoch gesteckt, das fordert heraus, ohne zu überfordern.
Seine musiktheoretischen bzw. musikgeschichtlichen Anmerkungen sind fürs Singen so ergiebig wie hilfreich; gesangstechnisch kann er beispielhaft vermitteln, auf welchem Weg das Ziel erreichbar ist oder sein müsste. Am meisten aber sagt mirsein „Stil“ zu: nicht verführbar vom oft allzu Großen,  Pompösen, Ungefähren, sondern stets elegant und strukturell durchsichtig.
(Mona)

„Man sagt, ‚Singen macht glücklich‘. Mit der Kantorei zu singen, macht auf jeden Fall doppelt glücklich, denn die durchaus herausfordernde Probenarbeit führt zu sehr beglückenden Aufführungen. Gottfried ist ein großartiger Musiker und Chorleiter, der eine ungemein präzise Vorstellungen von Klang, Artikulation und Ausdruck hat. Das versucht er mit uns in den Proben zu erarbeiten, wobei er uns auch viel zum Werk, zur Musikgeschichte und zur Musiktheorie erzählt. Er hat eine echte Gabe, alles so zu verknüpfen, dass man auch komplizierte und lange Partituren gut versteht und ihr im Ausdruck gerecht werden kann. Wir arbeiten sehr ernsthaft, allerdings gibt es auch immer wieder was zu lachen. Gottfried ist oft sehr witzig! Als Beweis empfehle ich, seine Autonummer genauer anzuschauen (VB  BWV5), was sich auf die Bach Kantate ‚Wo soll ich fliehen hin‘ bezieht.“ (Regina)

„Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum“ ist das Motto der Kantorei.

Weiterhin viel Freude und Glück wünscht
Marie-Christin de Forestier