Weißt du, wie viel Schäfchen stehen…?

Kaplan Johannes zählt seine Schäfchen
nicht nur am Himmelszelt oder im Pfarrhaus, sondern auch in der Kirche

Johannes, dein Großvater hat noch vor der kommunistischen Regierung in China den katholischen Glauben angenommen, du bist also in der dritten Generation Katholik. Wie kommst du jetzt ausgerechnet nach Österreich?

Das Priesterseminar habe ich in China absolviert. Ein Forschungsstipendium hat es mir erlaubt, mich für meine Doktoratsarbeit an der Uni Innsbruck zu inskribieren und Forschungsarbeiten zu tätigen.

Thema deiner Dissertation?

„Das Qi und der Heilige Geist“

Das musst du mir jetzt erklären. Ich mache regelmäßig Qi Gong. Finde dabei viel Ruhe und Entspannung, aber der Heilige Geist ist mir ehrlich gesagt da noch nie in den Sinn gekommen.

Das Qi ist nicht der Heilige Geist und der Heilige Geist ist nicht das Qi. Mit dem Qi versuchen wir den Atemfluss in unserem Körper zu regulieren, der Heilige Geist wird ja auch der „Atem Gottes“  genannt. Beide bringen uns zur innerlichen Ruhe, die uns Kraft spendet.

Du hast dich auch intensiv mit der „Traditionellen Chinesischen Medizin“ beschäftigt.

Ich beschäftige mich mit der Naturheilung, mit dem Thema „Natur in der „Spiritualität“. Diese Verbindung fasziniert mich.

Willst du uns nicht an deiner Faszination teilhaben lassen und uns einmal in einem Workshop was zum Qi und der TCM erzählen? Liebe Mondseer, hättet ihr Interesse?

Ich erzähle jederzeit gerne von meinen diesbezüglichen Erfahrungen und gebe sie auch gerne weiter.

Ganz was anderes: Wie bist du denn in Mondsee aufgenommen worden?

Das war und ist ganz wunderbar, die Leute waren neugierig, was ein Chinese hier macht, sie sind auf mich zugegangen. Um Kontakte zu schließen, bin ich ganz froh, dass Ernst – und somit auch ich – die Gepflogenheit haben, die Besucher der Heiligen Messe vor dem Gottesdienst vor der Basilika zu begrüßen und auch nach der Messe noch vor der Kirche mit ihnen Gespräche führen zu können.

Ich finde die Zusammenarbeit mit unserem Pfarrer herausfordernd und bewundere, wie er motivieren kann. Trifft das auch auf dich zu?

Ernst ermutigt mich immer wieder, täglich, ja, er motiviert mich, offen für alle Gegebenheiten zu sein. Ich bitte ihn immer wieder, mir meine Fehler aufzuzeigen und darüber zu sprechen. Nur so kann ich dazulernen. Und da ist mir Ernst eine große Hilfe. 

Stichwort Hilfe: Du hast mir erzählt, dass du mit unser aller Hilfe noch ganz viel erreichen willst – zunächst einmal die Führerscheinprüfung. Da hilft dir Frank, der sich manchmal für dich und sich fürchtet, wenn er mit seinem mit „Übungsfahrt“ gekennzeichneten Auto mit dir auf der Autobahn fährt. Du wirst das schaffen! Wir wünschen dir dazu alles Gute.

Ja, ich möchte noch viel lernen im schönen Mondsee: mein Deutsch muss sich verbessern – ob ich das C1-Niveau anpeilen soll? Ich habe gehört, dass das sehr schwer sei, es wäre eine Herausforderung. Schifahren habe ich in Tirol gelernt, aber das könnte weiterentwickelt werden. Über das Schwimmen reden wir wieder nächsten Sommer. Ich singe so gerne, werde viele Lieder der Liturgie lernen, mein Klavierspielen könnte auch verbessert werden.

Hobbys?

Alles, was mit der Natur zusammenhängt: Radfahren, Laufen, Bergsteigen. Und außerdem Singen und Meditation. Dein Motto ist „in der Ruhe liegt die Kraft“ – da können wir von dir lernen. Danke für das Gespräch, lieber Johannes, und viel Freude und Erfolg in Mondsee. Wir freuen uns, dass du da bist.

Das Interview mit Kaplan Johannes führte Marie-Christin de Forestier