Coronazeit, wie ich sie bisher erlebte

Die Nachrichten Mitte März überraschten uns alle. Ich brauchte einige Tage, um zu realisieren, was da über uns hereingebrochen war. Anfangs war es für mich schwierig, zu akzeptieren, dass ich als Risikoperson in meinen vier Wänden bleiben sollte, war ich es doch gewöhnt, Dinge „sofort“ zu erledigen – schnell etwas besorgen, jemanden besuchen, eine Wanderung testen … Die Wege wurden immer kürzer und spärlicher – vor allem, weil ich meinte, aus den Mienen der wenigen Personen, die auch unterwegs waren, den stillen Vorwurf lesen zu können: „Was machst du hier? Du solltest daheim bleiben!“ Die ständigen Aufrufe dazu im Fernsehen und die Artikel in den Zeitungen brachten mich allmählich zur Einsicht. Dazu kamen die für mich unerwarteten Angebote von verschiedenen Personen, Einkäufe für mich zu erledigen. So begriff ich es langsam, dass ich zu jenen gehörte, die aus Altersgründen daheim bleiben und Hilfe annehmen sollten. Das war ein erster Corona-Lernprozess für mich. Ich gewöhnte mir an, anstatt ins Geschäft zu gehen und das zu kaufen, was mir gerade als unheimlich wichtig erschien, einen großen Zettel bereitzulegen, um damit meine nächste Einkaufsliste vorzubereiten und ich erkannte: Ich verhungere und verdurste nicht, wenn nicht sofort das Gewünschte besorgt werden kann.

In den Wochen des Daheim-Sein-Müssens konnten verschiedene längst fällige Arbeiten erledigt werden, worüber ich mich sehr freute. Ich hatte das große Glück, nicht krank zu sein und coronabedingt keine besonderen finanziellen Sorgen zu haben. Daher konnte ich diese Situation sehr gelassen hinnehmen. Zum Glück gab es auch bei uns im Ort und in meiner Familie keine oder sehr wenige dramatischen Krankheitsfälle. Ich weiß, es gibt viele, die nicht so locker über diese Zeit urteilen können und hoffe, dass es für alle eine annehmbare Weiterentwicklung gibt, die hoffnungsvoll in die Zukunft schauen lässt.

In die Corona-Einsperrzeit fiel Ostern. Kirchliche Feiern waren untersagt. Ich kann nur staunen, was in kürzester Zeit angeboten werden konnte – auch bei uns in der Pfarre. Ich war und bin sehr dankbar für die vielen Möglichkeiten, Gottesdienste im eigenen Wohnzimmer feiern zu können – ganz besonders auch für die Übertragungen aus unserer Pfarre. Es waren besonders intensive religiöse Feiern. In der heurigen Karwoche habe ich sicher mehr Gottesdienste mitgefeiert als in manch anderen Jahren. Auch in der Zeit nach Ostern freute ich mich über eindrucksvolle Live-Sendungen. Besonders in Erinnerung bleiben werden mir die Frühmessen mit Papst Franziskus. Den Papst im Wohnzimmer erleben zu können, ist ja nicht alltäglich.
Trotz alledem bin ich jedesmal froh, wenn ich zum Gottesdienst in unsere Basilika kommen darf. Man kann intensiv alleine feiern, aber zum Glauben und zum Feiern braucht man Freunde. Gotthold Ephraim Lessing meint dazu: „Freu dich mit mir. Es ist so traurig, sich allein zu freuen!“

Annelu Wenter