Am 19. Juni 2020 konnte in einem festlichen Gottesdienst mit fast allen SeelsorgerInnen die neue Orgel in der Filialkirche Loibichl gesegnet werden. Woher dieses wunderbare Instrument stammt, was seine Besonderheiten und sein Charakter sind und wie es die Pfarrgemeinde bereichert, darüber schreibt unser maßgeblich an diesem Projekt beteiligte Organist Gottfried Holzer-Graf.

Orgeln sind einmalige Persönlichkeiten.

Auch die Kleinen. Auch die von Loibichl?

1993: Das ist für Mondsee das Jahr der Orgeln. Nicht nur, dass die große Rekonstruktion der Egedacher-Orgel im Klangstil von Andreas Silbermann (um 1700) von Alfred Kern & Fils festlich gefeiert wurde, es entstand auch von ebendiesem Orgelmeister – zunächst für eine Abtei in Strasbourg – die kompakte Orgel, die seit 2018 in der Filialkirche St. Lorenz das museumsreife Orgelpositiv abgelöst hat.

Und noch ein Instrument, das nun in einer Filialkirche von Mondsee seinen Dienst tut, entstand 1993: die kleine Orgel aus der Wiener Orgelbauwerkstätte Herbert Gollini, und zwar für eine Kirche in Stadl-Paura. Diese hat eine ähnliche Entstehungsgeschichte wie unsere kleine Kostbarkeit von Loibichl, da sie eine Stätte der Dankbarkeit und Andacht für die Heimkehrer aus dem 1. und auch dem 2. Weltkrieg war. Die Menschen der dortigen Filiale der Benediktinerabtei bewiesen im Jahr 1993 Stil- und Qualitätsbewusstsein und gaben bei Herbert Gollini eine Orgel mit einem Manual, daran angehängtem Pedal (d. i. ohne eigene Register) und immerhin fünf Registern in Auftrag. Die gleichschwebende Temperatur wurde auf ungleich schwebend nach dem italienischen Theoretiker Vallotti verändert. Diese Teilung der Intervalle kennt gut klingende und schärfer klingende Intervalle und Tonarten. Die Schärfe ist progressiv auf Tonarten mit vielen Vorzeichen verschoben. Dies entspricht der für die Gollini-Orgel besonders geeigneten Barock-Literatur besser und gibt dem Gemeindegesang reine und entspannte Begleitung.

Während in Loibichl die ganze Zeit über Frau Leopoldine Schneider an einem Harmonium die Gottesdienste begleitete, hatten die Erben der Heimkehrer in Stadl-Paura bereits eine aparte kleine Orgel, die dem süddeutsch-italienischen Klangstil entspricht. Das Interesse an Kirche, Dankbarkeit und Andacht nahe der noch aktiven Abtei versiegte jedoch frühzeitig. Man wollte die Kirche loswerden, eine Sporthalle daraus modeln und die Erinnerung aufgeben.

Gesagt, getan: Somit bot Abt Maximilian unserem Rektor und Pfarrer das Instrument an. Dieser handelte den Preis noch ein wenig herunter, womit auch Ab- und Aufbau, Transport und die klangliche Anpassung an den optisch wie akustisch hellen Raum der Kirche von Loibichl leistbar wurden. An dieser Stelle ist vor allem der Pfarrgemeinde zu danken, die in großartiger, wirklich außergewöhnlicher Spendenbereitschaft den Erwerb ermöglichte. Orgelbaumeister Reinhard Humer, angesehener Orgelbauer der Diözese, führte die Überführung der Orgel inclusive einiger technischer Verbesserungen in Zusammenarbeit mit mir als Beauftragtem in tempore coronae durch. Orgelbaumeister Humer verwirklichte eine gute Synthese von originalem Klang und eigenständiger Mäßigung der Schärfe für den schön restaurierten Kirchenraum Loibichl, der nun, bereichert um die hübsch, modern und ein wenig frech an der Brüstung positionierte kleine Orgel, bald 80 Jahre alt wird. Gerne werde ich im Gefolge von Pfarrer Ernst Wageneder in regelmäßigen Abständen auch dort spielen. Und gerne damit das befördern, was unsere Kirche mit Gottesdienst meint: Dank, Andacht und Freude am Leben.

Gottfried Holzer-Graf