Selbst. Zuhause. Beten.

Leere Kirche – ein Ausblick auf die Zukunft?

Wann können wir uns ENDLICH wieder sehen und Gottesdienst feiern? Manche fragen sich das vielleicht. Ein Alltag ohne die gewohnten kirchlichen Traditionen und Rituale – da fehlt etwas. Es ist einfach nicht so schön wie sonst. Aber andere legten vielleicht schon vor der Coronavirus-Pandemie keinen so großen Wert auf kirchliche Feste und Gottesdienste. Wir dürfen ehrlich sein: Für viele Menschen hat das bereits an Bedeutung verloren. Leere oder fast leere Kirchen – ist das nicht ein Anblick, auf den wir uns ohnhin in absehbarer Zeit einstellen müssen, wenn sich nicht grundlegend etwas ändert?

Das Fundament legen

Die Situation macht deutlich: Das Fundament des Glaubens sind nicht die Sonntagsgottesdienste. Die Eucharistie ist zwar “Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens” (LG 11), aber nicht das Fundament. Dieses ist die persönliche Erfahrung und Beziehung mit Gott von jeder und jedem Einzelnen. Und es ist die Gemeinschaft untereinander, die echte, physische, spürbare und stärkende Freundschaft mit anderen. Nicht eine flüchtige Begegnung vor dem Kirchplatz, sondern eine Beziehung von Herz zu Herz, in der Freude und Leid miteinander geteilt werden, in der man einander tröstet, ermutigt, zum Lachen bringt, kritisch hinterfragt und voneinander lernt.

Selbst tun und erfahren

Andacht und Gottesdienst am Bildschirm: Es ist gut, dass es so etwas gibt. Es hat sogar gewisse Vorteile: Auf einmal ist es möglich, täglich mit dem Papst zu beten in einer Vertrautheit, die es sonst nicht gäbe. Und in der gemütlichen Atmosphäre des eigenen Wohnzimmers ist so mancher vielleicht sogar andächtiger als in einem kalten, ungemütlichen Kirchenraum. Aber es zeigt auch verstärkt auf, dass im kirchlichen Leben oft einige wenige etwas tun, während andere in der Zuschauerrolle verharren. Ja, natürlich gibt es die “aktive Teilhabe der Gläubigen”, das “aktive Mitfeiern”. Aber mit zwei Vergleichen gesagt: Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob ich beim Fußballspiel auf der Bank sitze und den anderen beim Spielen “aktiv” zusehe oder selbst am Platz bin. Es ist auch ein Unterschied, ob ich ein Musikstück “aktiv” höre oder ob ich selbst spiele und singe. Aus mir wird nie ein guter Fußballspieler, Musiker oder Sänger, wenn ich immer nur anderen zusehe (so aktiv und engagiert das auch sein mag), sondern nur, wenn ich selbst trainiere, spiele, singe. Und so ist es auch beim Glauben und Beten: Darin kann ich nur lernen und wachsen, wenn ich mich selbst hinsetze, alleine oder in einer kleinen Gemeinschaft, und es selbst tue.

Ja, so spricht der HERR: Ihr werdet mich anrufen, ihr werdet kommen und zu mir beten und ich werde euch erhören.
Ihr werdet mich suchen und ihr werdet mich finden, wenn ihr nach mir fragt von ganzem Herzen. (Jer 29,12-13)

Dieses Versprechen gilt für alle, ohne Ausnahme. Und quer durch alle Epochen, Religionen und Kulturen haben Menschen die Erfahrung gemacht: Wer Gott sucht, der wird ihn finden. Man muss sich nur auf den Weg machen. Und wann wäre ein besserer Zeitpunkt als jetzt, wenn sowieso schon alles anders ist als gewohnt? Es braucht keine Voraussetzungen außer diese eine: den Mut, anzufangen. Am besten gleich heute.

Impulse für die Praxis

Damit es nicht allzu schwer fällt, gibt es hier zwei Anleitungen, wie man zusammen mit anderen (in der Hausgemeinschaft) oder alleine in der Bibel lesen und mit der Bibel beten kann und dazu das Evangelium des heutigen Sonntags zum Ausdrucken. Aber es eignet sich auch jeder andere Bibeltext. Einfach die Bibel zur Hand nehmen, aufschlagen und loslegen!

Viel Mut, Experimentierfreude und eine intensive Zeit wünsche ich!

Pastoralassistentin Dagmar Pfannhofer

Sonntagsevangelium
Anleitung zum Bibelteilen
Anleitung zur Bibelbetrachtung