Gottesdienst vom 29.09.2019 – zum Nachhören

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Gottesdienst vom 29.09.2019 – zum Nachhören

Live- Radioübertragung der Messe zum Festtag der Erzengel am 29.09.2019 - hier zum Nachlesen und Hören.

Erzengelfest

Ich lade Sie ein, am heutigen Festtag der Pfarrgemeinde St. Michael, Mondsee, dem Festtag der Erzengel Michael, Gabriel und Raphael, über die Bedeutung ihrer Namen nachzudenken. Es sind biblische Namen, die uns in unserer Zeit viel zu sagen haben. Michael, Gabriel und Raphael konfrontieren uns mit einer Frage, einem Ausruf und einem Zuspruch.

„Wer ist wie Gott?“ Das bedeutet der Name „Michael“. Dieser Erzengel hinterfragt mich persönlich, aber auch die Menschen unserer Zeit, ob wir uns nicht an die Stelle Gottes setzen. Dafür gibt es viele Möglichkeiten. Wo das „Ich“ im Vordergrund steht, gehen der gesellschaftliche Zusammenhalt und die Solidarität verloren.[sup]1[/sup] Wo die wirtschaftlichen Interessen um jeden Preis in den Himmel gehoben werden, wo die Umweltzerstörung vorangetrieben wird, fordert uns Michael, der Engel, der Bote Gottes auf, Gott und seine Intention für die Welt wieder an die erste Stelle zu setzen. Gott will, dass wir das Leben haben, und es in Fülle haben. Wie kann das gelingen, angesichts so vieler anscheinend übermächtiger Kräfte und Interessen, die den eigenen persönlichen Vorteil zum Gott erhoben haben? Wie gelingen uns diese Veränderungen, wie finden wir heraus aus dieser engen Sicht, die uns selbst zu Gott erhebt?

Der Erzengel Gabriel kommt uns mit einem Ausruf zu Hilfe. Sein Name bedeutet: „Meine Kraft ist Gott!“ Wer auf Gott vertraut, wird nicht zu Grunde gehen, das haben Menschen schon lange gebetet, und gläubige Menschen beten es seit Jahrtausenden. „Meine Kraft ist Gott!“ Maria hat das verstanden, als Gabriel sie bat, die Mutter Jesu zu werden. „Wer bin ich, dass du mich danach fragst?“, hat sie erschrocken geantwortet. Und doch stimmte Maria zu – im Vertrauen auf diese Kraft Gottes. Gabriel, der Bote Gottes, hat diese Botschaft auch für uns: Wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott unsere Kraft ist, wenn wir uns einsetzen für Veränderungen. Wir dürfen hoffen, dass Gott uns nicht im Stich lässt, wenn wir scheitern. Im Gegenteil: Die leergefegte Fläche der kalten Vernunft[sup]2[/sup] wird durch den Mut und durch die Zuversicht aufgerissen und es beginnt in unserem Leben wieder zu blühen, da ich ganz auf Gott vertraue.

Radio Oberösterreich - Die Messe zum Fest der Erzengel - hier zum Nachhören
Referenz: https://religion.orf.at/radio/stories/2991596

 

Es wird neues Leben entstehen, wenn wir nicht nur einzig aus der Vergangenheit heraus leben und uns durch sie leiten lassen. Wir können darauf bauen, dass Gott uns zu Hilfe kommt, wenn wir in Treue und Verantwortung um unsere Familie bemüht sind. Wir müssen uns zurücktasten zum tragenden Grund, zur Kraft Gottes. Wo sind unsere Quellorte heilender Kraft?

Was ist jedoch, wenn ich merke, dass ich selbst auf einem falschen Weg gehe, herumirre und nicht mehr weiter weiß? Wenn ich keinen Ausweg mehr sehe! Was bleibt mir anderes übrig als mitzuschwimmen im Strom, wenn ich den Kopf über Wasser halten will? Hier begegnet uns Raphael, der durch die Bedeutung seines Namens einen Zuspruch für uns hat: „Gott heilt!“ Bei den Darstellungen Raphaels findet sich manchmal die lateinische Inschrift „Medicina Dei“.[sup]3[/sup] Gott ist der Arzt, der uns heilen kann von unseren Süchten, der uns befreien kann von unseren Abhängigkeiten, der uns helfen kann, Egoismus und Selbstsucht zu überwinden. Gott hilft uns unser Leben umzugestalten, damit es gerechter und friedlicher wird. Mit Gott finden wir den Weg aus dem Dunkel der Höhle heraus und es gibt keine Nacht mehr, in der nicht schon der Keim des neuen Lichtes steckt.

Die drei Erz-Engel, deren Fest wir heute in Mondsee als Patrozinium feiern, sagen uns, wie Gott zu uns ist und was aus uns und der Welt werden könnte, wenn wir seinem Wort vertrauen. In ihnen öffnet sich Gott für die Menschen, er „übersetzt“ uns durch sie seine Botschaft, er will in ihnen uns nahe sein, er bietet in ihnen uns Hilfe und Rat an, er öffnet durch sie für uns den Himmel, durch sie haben wir Begleiter auf dem Weg durch die Zeit, die wir auf diesem Heimweg voll Vertrauen um Beistand bitten dürfen.

Das Evangelium des Johannes lässt uns alle aufhorchen, da Jesus zu Natanaël sagt: „Noch ehe Philippus dich rief, habe ich dich unter dem Feigenbaum gesehen.“ Noch ehe Gott uns anspricht, hat er uns schon gesehen. Wir werden von Gott angeschaut.[sup]4[/sup] Gott schenkt uns Ansehen. Liebevoll und wertschätzend sieht Gott mich an. Gott will in uns die Sehnsucht wecken, dass wir Ja sagen zu ihm, zu ihm kommen und ihm sagen: „Ich bin bereit, dir nachzufolgen.“

Mögen Gottes Engel uns begleiten, damit wir hinfinden zu Jesus und aus ganzem Herzen das Ja der Nachfolge sagen. Mögen Engel uns begleiten, die uns sagen, dass Gott uns unendlich liebt![sup]5[/sup] Dann, liebe Schwestern und Brüder, können wir in der Welt von heute wahrhaft menschlich leben, handeln, leiden und sterben, weil wir den Menschen und der Welt hilfreich zur Seite stehen und uns von Gott getragen wissen!

Gott segne dich und mich auf diesem wundervollen Weg!

Amen!


1 P. Franz Helm SVD, Erzengelfest Michael, Rafael und Gabriel.
2 Vgl.: Bernardin Schellenberger, Gehimmelt und geerdet, Echter Verlag 2004.
3 Der Erzengel Raphael wird angerufen um die Gabe der Geborgenheit, um Heilung, auch emotionale Heilung, bei Verzweiflung, um Stärkung, für Freiheit, um eine lebensbejahende Grundeinstellung und um Ausgeglichenheit.
4 Hansjürgen Verweyen, War das Wort bei Gott? Zur Soteriologie des Johannesevangeliums.
5 Jürgen Grote, Mögen Engel dich begleiten. „Mögen Engel dich begleiten auf dem Weg, der vor dir liegt. Mögen sie dir immer zeigen, dass dich Gott unendlich liebt. Mögen Engel dich begleiten auf dem Weg, der vor dir liegt. Mögen sie dir immer zeigen, dass dich Gott unendlich liebt. Ihre Worte woll´n erhellen deinen Tag und deine Nacht. Dass sie hinter dich sich stellen, lässt dich spüren Gottes Macht. Ihre Hände werden halten, wenn ins Stolpern du gerätst. Manchmal werden sie sie falten, wo du in Gefahren schwebst. Ihre Füße wirst du sehen in den Spuren neben dir. Sei getrost auf deinen Wegen, öffne deine Herzenstür. Flügel müssen sie nicht haben, nur ein freundliches Gesicht, dass du weißt, du bist getragen, in die Irre gehst du nicht. Du sollst nicht alleine gehen, wir sind alle für dich da. Woll´n als Engel zu dir stehen, sagen zu dir alle: Ja! Mögen Engel dich begleiten auf dem Weg, der vor dir liegt. Mögen sie dir immer zeigen, dass dich Gott unendlich liebt. Mögen Engel dich begleiten auf dem Weg, der vor dir liegt. Mögen sie dir immer zeigen, dass dich Gott unendlich liebt.“