Des OrgelPunktes zweites Wochenende
Unser Patrizinium : das Laurenzifest am 11. August
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DOGMA und DEMOKRATIE


Historische und theologische Hintergründe zum Hochfest "Mariä Aufnahme in den Himmel"

Am 15. August wird das Hochfest Mariä Himmelfahrt mit der Piccolomini-Messe von Mozart und einer wiederentdeckten Motette "Qui diligit Mariam" (dt. wer Maria liebt ...) des Salzburger Domkapellmeisters der Barockzeit Agostino Steffani in unserer Basilika von der Kantorei feierlich gestaltet. An diesem Tag werden auch die Kräuter gesegnet, sprechen doch schon im 14. Jahrhundert einige Urkunden von "Unserer Lieben Frauen Wurzelweihe".

Das Fest selbst wird mindestens seit dem 5. Jahrhundert begangen. In den Ostkirchen trägt es den Namen "Hochfest des Entschlafens der allerheiligsten Gottesgebärerin". Und tatsächlich besuchen alle Jerusalem-Pilger die im Sechstagekrieg heftig umkämpfte, von deutschen Benediktinern bewohnte Abtei der "Dormitio" mit einer Darstellung des Marien-Grabes in der Unterkirche/Krypta.

Während wir an Christi Himmelfahrt die "Auffahrt des Herrn" (Ascensio) begehen, spricht man im Falle Marias von der "Aufnahme" (Assumptio) in den Himmel. Über eine leibliche Aufnahme der Gottesmuttter in den Himmel wird allerdings im Neuen Testament nichts berichtet. Dafür enthalten apokryphe Evangelien ausführliche Darstellungen der Entschlafung Mariens: Diese Niederschrift um das Jahr 400 bildet die Grundlage für byzantinische liturgische Texte. Die Apostel seien auf wunderbare Weise an das Sterbebett Marias gebracht worden, Christus sei an ihrem Grab erschienen, habe den Stein weggewälzt und Maria herausgerufen.

Der Glaube an die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel ist also seit dem 6. Jahrhundert bezeugt. Dazu kommt noch die verbreitete Darstellung der "Krönung Mariens" wie am Mondseer Hochaltar. Trotzdem hat es bis 1. November 1950 gedauert, bis Papst Pius XII. die Dogmatisierung verkündete:

"Wir verkünden, erklären und definieren es als ein von Gott geoffenbartes Dogma, dass die unbefleckte, allzeit jungfräuliche Gottesmutter Maria nach Ablauf ihres irdischen Lebens mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen wurde."

Vorausgegangen war ein durchaus demokratischer Prozess: 1946 wandte sich der Papst an alle Bischöfe mit der Bitte um ihr Votum, ob er das neue Dogma feierlich verkünden solle. 22 Gegenstimmen bei 1181 Bischöfen bedeuteten eine klare Ermutigung. So kam es zur bisher einzigen Inanspruchnahme der dem Papsttum im Jahre 1870 verliehenen "Unfehlbarkeit".