MASS IN ENGLISH IN THE BASILIKA MONDSEE
Musica Sacra Mondsee
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Im Gespräch mit …

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Florian Moskopf, unser neuer Organist, stammt aus Norddeutschland, ist diplomierter Kirchenmusiker, studierte u.a. in Regensburg und Graz die Fächer Kirchenmusik, Orgel und Gregorianik, war Stiftskapellmeister im Benediktinerstift St. Paul im Lavanttal, Chorleiter sowie Orgellehrer der Diözese Gurk.

– Wie war dein Weg zur Orgel? Wann ist der Wunsch entstanden, Orgel zu lernen, wie ist dein musikalischer Werdegang?

FM : Ich komme aus einer Familie, in der Musik zwar ein wichtiges Thema war und ist – Vater, Mutter, alle Geschwister spielten ein Instrument, aber nur ich mit konkret beruflichen Absichten. Die Trompete ist mein erstes Instrument, mit neun Jahren erhielt ich darin den ersten ersehnten Unterricht. Erst ab dem zwölften Geburtstag begann mein „Leben an und mit der Taste“. Der Klavierlehrer war Kirchenmusiker vor Ort und weckte in mir das Interesse für die „Königin der Instrumente“. Mit 18 Jahren war es dann auch damit endlich soweit, ich wagte erste Gehversuche mit dem Instrument und begann nach Abschluss der Schule ein erstes Kirchenmusikstudium in Regensburg.

– Deine Ankunft in Mondsee hat dich zu einer Menge von Ideen inspiriert. Wie lassen sich deine Projekte hier durchsetzen?

FM: Ich habe Glück, in Ernst Wageneder einen Pfarrer gefunden zu haben, der für neue Projekte immer offene Ohren hat und Ideen gerne aufgreift. So plane ich z.B. Matineen zu sakralen Themen. Man könnte beispielsweise, ausgehend vom „Vaterunser“, verschiedene Vertonungen (Bach, Buxtehude…) dieser Melodie vorstellen. Aber mit diesen Projekten möchte ich zunächst nur neugierig machen, Genaueres verrate ich noch nicht.

Eine Idee, die mir immer sehr am Herzen lag, kann ich bereits umsetzen: Stimmbildungsunterricht für die Chorsänger. Nicht weil sie es “nötig hätten”, sondern weil sie es ihres unermüdlichen Einsatzes – Probenbesuche Woche für Woche, jahraus, jahrein – wegen, mehr als verdienen. Die Gesangs- und Atempädagogin Gertrud Kotschy konnte ich dazu für einige Termine zwischen Ostern und Pfingsten gewinnen, das finde ich große Klasse.

– Stichwort „Jugendchor“

FM: Der “Neue Jugendchor”, wie ich ihn etwas ambitioniert getauft habe, kommt fallweise zur Gestaltung der Jugendmessen zusammen. Es singen darin v.a. Mitglieder des Jugendmesseteams von Susanne Jakel.

– Neu ist der „Projektchor“ – was hat man sich darunter vorzustellen? 

FM: Das ist ein Chor, zum dem anlassweise eingeladen wird – derzeit für Mozarts Spatzenmesse am Pfingstsonntag. Er richtet sich v.a. an diejenigen, die nicht das ganze Jahr Zeit haben, Woche für Woche an den Proben teilzunehmen, sondern eben nur für eine überschaubare Probenserie.

– Die Gestaltung der Liturgie : Was kann hier der Kirchenmusiker allein bestimmen, wie arbeitet er mit dem Pfarrer zusammen?

FM: Der Kirchenmusiker hat hier eigentlich weniger Spielraum, als man glauben mag. Das Messbuch sieht fixe Gebetstexte vor, die natürlich in erster Linie gebetet werden wollen – ob nun gesungen oder gesprochen. Für einen Großteil der Texte gibt es im Gotteslob erstaunlicherweise keine Vertonungen. Das “Absingen irgendwelcher Lieder”, die nur grundsätzlich etwas mit Gott zu tun haben, gibt der Messfeier an sich eigentlich keinen Sinn. So haben sich die Konzilsväter das damals sicherlich nicht gedacht. Umso glücklicher bin ich daher, in Ernst einen Pfarrer zu haben, der z.B. den zu betenden Eröffnungsvers einfach selbst singt. Für die Kantoren bin ich in diesem Zusammenhang unendlich dankbar, da auch sie ganz wesentlich dazu beitragen, die vorgesehenen Gebetstexte nicht nur zu Gehör, sondern auch zum Erklingen zu bringen.

– Wir wissen, dass die französische Sprache, bzw. Kultur dein Hobby ist. Spüren wir das bei deinen Improvisationen? Lässt dir deine Aufgabe in Mondsee ein bisschen Zeit, um dich deinem Hobby zu widmen?

FM: Bisher hat mir die Einarbeitung in mein Arbeitsfeld noch nicht wieder wirklich Gelegenheit dazu gegeben. Aber morgens hallen die Badwände wider von der Berichterstattung des französischen Radiosenders FranceInfo. Außerdem ist auf allen elektronischen Geräten Französisch als Menüsprache eingestellt. Wunderbar ist natürlich, dass die dem französisch-barocken Typus verpflichtete Orgel in der Basilika sozusagen mein Schreibtisch ist. 

– Wie fühlst du dich in Mondsee? Willkommen? Unterstützt? Gefördert? Gefordert?

FM: Zum ersten Mal in meinem Leben gehe ich einer kirchenmusikalischen Tätigkeit nach, ohne eigentlich hauptsächlich zu studieren. Das fühlt sich noch etwas unwirklich an. Die Leute hier begegnen mir ausnehmend freundlich und herzlich. Das ist eigentlich immer und überall schon so gewesen. Aber dafür bin auch hoffentlich immer wieder neu dankbar. Die Orgellandschaft ist ein selten schönes Geschenk, über das ich stets aufs Neue staune. Meine Arbeit mit den Menschen in der Pfarre, da wären zuallererst die Sänger zu nennen, ist von großem Entgegenkommen hinsichtlich der für mich noch neuen Situation getragen. Dafür bin ich allen, die mir keine Steine in den Weg legen, unendlich dankbar. Alles in allem sind das also beste Ausgangsbedingungen für mein Sein hier in Mondsee.

Merci, Florian, et bonne chance!

Das Interview führte Marie Christin de Forestier.

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