ALLERHEILIGEN ist nicht ALLERSEELEN

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Chorreise CANTUS SOLIS
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ALLERHEILIGEN ist nicht ALLERSEELEN

Es mag Anfang November trübes Wetter herrschen, aber am 1. November begeht die Kirche ein Freudenfest: Sie lobt und preist Christus in seinen Heiligen. "Wir glauben,dass deine Heiligen bei Dir leben und dass Leid und Tod sie nicht mehr berühren" (Gabengebet). Daher ist auch eines der festlichsten Gemeindelieder, die wir kennen, "Großer Gott,wir loben dich" ein ideales Allerheiligenlied. Der Text spricht in jeder Strophe von verschiedenen Heiligengruppen: Kerubim und Serafin, Chor der Apostel, die hehre Menge der Propheten.

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Im Abendland gab es seit dem 7. Jahrhundert ein Fest aller heiligen Märtyrer. Das Fest aller Heiligen (nicht nur der Märtyrer) kam im 8. Jahrhundert aus Irland und England auf den Kontinent und hat sich bald allgemein durchgesetzt. Die Lesung aus der Offenbarung des Johannes beschreibt eine spektakuläre Szene: Ein Engel mit dem Siegel des lebendigen Gottes erscheint und es werden "Unzählige" mit dem Siegel auf ihren Stirnen gekennzeichnet. Noch weiter und noch spezifischer verkündet die Lesung die Bedeutung des Tages "Allerheiligen": Der Vater hat uns so große Liebe geschenkt, dass wir Kinder Gottes genannt werden.
Eine der berühmtesten Stellen des Neuen Testaments, die Bergpredigt, wird zu Allerheiligen als Froh-Botschaft in allen Kirchen verkündet: Freut Euch und jubelt, euer Lohn im Himmel wird groß sein !

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Und doch ist die Verbindung zwischen Allerheiligen und Allerseelen nicht zu übersehen: Es ist nicht nur der Besuch der geschmückten Gräber auf den Friedhöfen. Auch die ganz besonderen Heiligen unserer Basilika St. Michael werden während der Vesper am Abend des Allerheiligentages besucht und beräuchert. Diese Prozession gibt es nur einmal im Jahr - zu Allerheiligen. Wir denken an die frühchristlichen Märtyrer, die am Hochaltar verehrt werden. Wir denken an die Heiligen, deren Reliquien im Volksaltar eingesenkt wurden, wie jene von Franz Jägerstätter. Und wir denken bereits an unseren Klostergründer Pirmin, dessen Fest in der Pfarre Mondsee am 3. November feierlich begangen wird.

Wenn am Abend des Allerseelentages nach dem feierlichen Requiem die Fackel-Prozession zum Totengedenken von der Basilika St. Michael zum Friedhof Mondsee aufbricht, bekräftigt diese Schar der Gläubigen unseren Glauben an die Auferstehung. Denn, wie Paulus schreibt, "Wie Jesus gestorben und auferstanden ist, so wird Gott auch die in Jesus Entschlafenen mit ihm vereinen". Welch tröstliche Worte in diesen, nur äußerlich, trüben November-Tagen!

Bildinhalte: Matthias Winkler | © Pfarre Mondsee
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